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Schnellschüsse sind verheerend. Entscheide aufgrund emotionaler Erschütterung ebenfalls. Umsomehr muss die fachliche und sachliche Auseinandersetzung mit der Kernfrage gefördert werden. Erst dann können die Bürger abschätzen, ob und in welchem Umfang sie das Risiko in Abwägung der Vor- und Nachteile der Alternativen zur Kernenergie eingehen möchten. Die Jungfreisinnigen leisteten dazu einen wichtigen Beitrag. Professor Wolfgang Kröger von der ETH Zürich referierte dabei über die ersten Erkenntnisse aus dem Unfall Fukushima Dai-ichi und über die Risikoauslegung der Schweizer KKW bezüglich Erdbeben und Hochwasser. Die interessantestens facts und figures möchte der Verfasser dieses Briefes mit Dir teilen möchte: Die Gesamtleistung der sechs Reaktoren in Japan ist mit über 4500 MWe um einiges höher als diejenige aller schweizer Kernkraftwerke zusammen (gut 3200 MWe); als unfallverschlimmernde Merkmale können genannt werden: alle Kühlsysteme werden über ein einziges Einlaufbecken vom Meer gespeist (und nicht über mehrere bzw. andere, wie Flüsse, Grundwasser, Seen etc.), die anlageinternen Notfallschutzmassnahmen hat Schwächen, so ist zB. die Druckentlastung ins Reaktorengebäude ohne Schutz gegen Wasserstoffexplosion; die Anlage wurde für eine Flutwellenhöhe von 5.7m gesichert, die tatsächliche Flutwelle betrug jedoch 14m. Schliesslich wies der Referent auf den extrem späten Übergang auf interne Notfallschutzmassnahmen hin (Block 1 27 Std. ohne Wasser!!), was möglicherweise auf Mängel in der Sicherheitskultur- und Organisation zurückzuführen sei. Nach den äusserst interessanten Erwägungen des Professors ist umso mehr klar: Die Schweiz ist nicht mit Japan zu vergleichen. Trotzdem ist es aber natürlich nie auszuschliessen, dass auch in der Schweiz etwas unvorgesehenes passieren kann. Doch seien wir mal ehrlich, konnte denn vor dem Ereignis in Japan mit 100%-Sicherheit ausgeschlossen werden, dass in der Schweiz nie ein Kernenergie-Unfall passieren würde? Wer so denkt, rechnet nicht mit dem worst case und handelt absolut fahrlässig. Wir wussten doch bereits vorher, dass die kleine Wahrscheinlichkeit eines atomaren Unfalls auch in der Schweiz besteht? Daher ist es heuchlerisch, wenn von links nun behauptet wird, das Risiko sei nicht tragbar. Das gleiche Risiko bestand schon immer. Durch technologischen Fortschritt, Aufarbeitung der Fehler in Japan und sofortige sicherheitstechnische Verbesserungen unserer AK's können das Risiko aber minimieren. Ob die Gesellschaft dieses Risiko tragen möchte, soll sie selber entscheiden. Also bitte keine Kurzschluss-Reaktionen.

 

 

 

 

Remo Hablützel, Co-Präsident Jungfreisinnige Säuliamt